Axel Springer Digitalumsätze bei 72%: So gelingt die Digitalisierung

Die Axel Springer Digitalumsätze machen mittlerweile 72 Prozent der Gesamtumsätze des Medienhauses aus. Beherzt hat der vormalige Print-Gigant eine Online First Strategie exekutiert, die Früchte trägt. Nicht nur der Anteil der Digitalumsätze steigt, auch der Gesamtumsatz (1,7 Milliarden Euro) und das EBITDA (317,2 Millionen Euro). Doch wie ist das zu schaffen?

Die Medienhäuser und Publisher stecken in der Krise. Ja, noch immer. Zumindest hört man das nach wie vor überall. Doch das stimmt nur bedingt. Wahr ist, viele Medienhäuser verharren in der Krise, wie ein Frosch im sich langsam erwärmenden Kochtopf. Dabei sollten die Axel Springer Digitalumsätze glaubhafter Beweis sein, dass Erfolg natürlich auch in der Digitalisierung möglich ist. Man muss sich aber aktiv darum bemühen.

Take action!

Können Verlage, Publisher oder sonstige Content-Verteiler in Zeiten der Digitalisierung also zu den Gewinnern zählen? Natürlich können sie! Allerdings brauchen sie dafür unabdingliche Grundvoraussetzungen: Verständnis für einen neu organisierten Markt, Schnelligkeit, ein gutes, einzigartiges Angebot und das Vertrauen darin sowie Convenience. Und absolute Exzellenz in der Exekution dieser Faktoren!

Verständnis für den Markt

Die Grundlagen dafür sind viel einfacher, als man denkt. Sei dort, wo deine Zielgruppe und deine potenziellen Kunden sind! Wo ist das? Richtig, vor allem online. Also: Sei online. Sei dort sichtbar und gut. Das verlangt eine Gewisse Dynamik. Diese einfache Wahrheit musst du verstanden haben.

Dein einzigartiges Angebot

Dein Angebot ist die Rechtfertigung für deine Teilnahme am Markt. Ist dies nicht gegeben, hast du ein ganz anderes Problem und bist wirtschaftlich wohl nicht überlebensfähig. Das hat sich durch die Digitalisierung nicht geändert. Wenn es aber vor der Digitalisierung funktioniert hat, warum sollte es das digital nicht auch? Es gibt kein Naturgesetz, das dem entgegensteht. Digitalisiere deine Stärken – dein einzigartiges Repertoire vielleicht oder die optische Anmutung. Und habe Vertrauen in dein Angebot, lass dir nicht die Schneid abkaufen.

Das Geheimnis der Axel Springer Digitalumsätze: Convenience

Convenience – ein Prinzip, das auch Netflix verstanden hat. Ich hatte kürzlich wieder den direkten Vergleich zwischen Netflix, Amazon und Sky. Netflix hat mit Abstand das angenehmste und intuitivste Interface, das vor allem aus Nutzersicht gedacht ist – neben dem Inhalt ein für mich wesentlicher Faktor. Die User Experience ist im Bereich Unterhaltung (zu dem auch Bild.de zählt) der entscheidende Erfolgsfaktor.

<Anmerkung: Bei einer vorigen Version dieses Beitrags wurde Axel Springer fälschlicherweise mit dem wissenschaftlichen Springer Verlag gleichgesetzt, der im folgenden behandelt wird – dies war nicht korrekt! Da der wissenschaftliche Springer Verlag aber ebenfalls eine spannende Digitalstrategie verfolgt, habe ich beschlossen, den Beitrag bis auf diesen Hinweis unverändert zu belassen. Dennoch bitte ich natürlich um Verzeihung für diese Schlamperei!>

Bei der Arbeit an meinem bald erscheinenden Buch zum Wert von Content Marketing wurde ein zusätzlicher Faktor deutlich: Accessibility. Im wissenschaftlichen Bereich hat der Springer Shop ein bahnbrechendes Revenue-Modell. Springer hat gefühlt seine komplette Backlist an wissenschaftlicher Literatur digitalisiert. Und die ist exorbitant. Zwar sind vermutlich recht wenige Werke davon absolute Bestseller, aber sie haben ihren Preis. Und: Sie werden häufig akut benötigt. Das hat, wie gesagt, alles seinen Preis. Aber die Convenience verleitet dazu, diesen zu bezahlen, wenn ich etwas davon sofort brauche.

Beispiel “Handbuch Unternehmenskommunikation”

Das “Handbuch Unternehmenskommunikation” ist ein Standardwerk in unserer Profession. Es ist mit etwa 110 Euro für das eBook und 150 Euro für das Druckwerk ohnehin schon nicht günstig. Aber es bietet einzigartiges Spezialwissen und wird vermutlich zumeist von Unternehmen gekauft. Wertvolle Assets, die den Preis plausibel machen!

Bei der Recherche stößt man immer wieder auf Abschnitte daraus (wichtig: die Präsenz), die man im Moment gut benötigen könnte. Klar, man hat ja gerade danach gesucht. Nun bietet Springer nicht nur das Buch als Ganzes zum Verkauf an. Durch wenige intuitive Klicks stehe ich plötzlich vor der Option, ausgewählte Kapitel, die ich brauche, sofort digital zu erwerben. “SpringerLink” nennt sich das Angebot. Am Beispielkapitel “Unternehmenskommunikation als Werttreiber und Erfolgsfaktor” sind dies etwa 30 Euro – für 18 Seiten. Und das Werk hat 68 Kapitel! Bei dieser Relation von Revenue zu “Menge” kann Springer in Summe viel Deckungsbeitrag mit den automatisiert maßgeschneiderten Filetstücken erwirtschaften – durch ein gutes, intuitives System mit hoher Convenience. Wert ist relativ und wenn er relativ hoch ist, bezahle ich auch mehr dafür. Dabei fallen auch Lagerhaltungskosten weg.

Man setzt also auf ein umfangreiches, qualitatives und komplett durchdigitalisiertes Programm und hat die entsprechenden Prozesse etabliert. Nun ist Springer nichtmal mehr darauf angewiesen, die verlegten, gedruckten Bücher in hoher Stückzahl zu verkaufen. Es ist vollkommen ausreichend, wenn einzelne “Filetstücke” daraus den nötigen Deckungsbeitrag erwirtschaften. Das Druckwerk wird nur mehr zum Add-on, gegebenenfalls als Print-on-Demand – das zeigen auch die Springer Digitalumsätze.

Tradition als Stärke und Hindernis

Wer als Medienhaus von der Disruption der Musikindustrie vor 10 Jahren gelernt hätte, wäre jetzt schon längst richtig aufgestellt. Viele sind das noch immer nicht, Frosch im Kochtopf und so… Tradition ist in manchen Teilbereichen wichtig (Brand, Image, Narration/Storytelling), in der Organisation und Exekution aber weitestgehend hinderlich. Agilität und Flexibilität sind absolute Erfolgsfaktoren, bei gleichzeitigem Vertrauen in das eigene Angebot. Letzteres muss diesem natürlich gerecht werden.

Diese Faktoren solltest du beherzigen. Wenn du dir deine erfolgreichsten Konkurrenten ansiehst, wirst du erkennen: Die tun das bereits. Und falls nicht: Das ist die Billion-Dollar-Chance! Wie du die Prozesse aufstellst und aus deinen Produkten ein Digitalangebot entwickelst – das lernst du in einem Workshop.

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2 comments

  1. Ich mache mir Sorgen, dass Sie offenkundig ein Buch veröffentlichen werden und gleichzeitig in diesem Zusammenhang nicht den Unterschied zwischen dem Axel Springer Verlag (Bild) und dem Springer-Verlag (wissenschaftliche VÖ) kennen. Dies sind zwei unabhängige Unternehmen, die nichts miteinander zu tun haben.

    1. Bei der Unterscheidung zwischen Axel Springer und dem wissenschaftlichen Springer Verlag haben Sie recht! Ich habe den Beitrag um einen Hinweis auf diesen Fehler ergänzt.

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