Die Zeit des E-Books ist vorbei? Schwachsinn!

Die Frankfurter Buchmesse neigt sich 2015 bereits wieder dem Ende. Im Vorfeld kam es zu teils hysterischen Missinterpretationen: So sei der “Hype um E-Books vorbei”, “Mit dem Umsatz geht es abwärts”, “E-Books spielen eine untergeordnete Rolle”. Doch: Das ist entweder schlecht recherchiert oder Realitätsverweigerung. Wahrscheinlich beides. Fakt ist: Die Digitalisierung ist auch im Publishing-Bereich angekommen und sie wird nicht mehr verschwinden. Ganz im Gegenteil.

Um ganz vorne zu beginnen: Leider scheint es selbst in angesehenen Medien zumindest im analytischen bzw. interpretativen Bereich zu einer Begriffsverwirrung zu kommen. Geräte wie der Kindle sind KEINE E-Books! Das sind E-Book-Reader, AUF denen man E-Books lesen kann. Ich dachte eigentlich, soweit wären wir schon… E-Books kann man aber auch auf anderen Geräten lesen, wie etwa Tablets – und das wird zunehmend gemacht. Tablets bieten auch den Vorteil, dass sie noch wesentlich mehr können, als E-Books wiederzugeben. So gesehen stellen reine E-Book-Reader ein Brückenprodukt dar, das schon wieder im Begriff ist, zu veralten. Sind zurückgehende Absatzzahlen bei einem überholten Produkt also ein Indiz für das Ende der gerade erst anbrechenden E-Book-Ära? Natürlich nicht!

Generell sollte man vielleicht einmal festhalten: Im Prinzip dreht es sich nicht um das E-Book, sondern um nichts weniger als die Digitalisierung einer ganzen Branche!

Interessant ist, dass etwa Futurezone.at die Tablets bei der Betrachtung nahezu komplett außer Acht lässt und sich dennoch selbst widerspricht.

Generelle Feststellung zum deutschen Buchmarkt: “Mit dem Umsatz geht es abwärts, und es erscheinen deutlich weniger Titel.
Explizit zum E-Book-Umsatz: “WIE SCHLÄGT SICH DAS E-BOOK? Elektronische Bücher finden im Publikumsmarkt in Deutschland immer mehr Käufer – im ersten Halbjahr 2015 betrug der Anteil am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) 5,6 Prozent. Dennoch ist dies weiter bescheiden. Auch die Wachstumsdynamik stagniert”
Fassen wir also zusammen: Der Gesamtumsatz am Buchmarkt geht zurück, während jener elektronischer Bücher steigt.
Logische Schlussfolgerung: “Der Hype um E-Books ist vorbei” – ja, nee, is klar…

Aber die Wachstumsdynamik stagniert! Ja du meine Güte! Das Wachstum wächst also nicht mehr weiter, sondern es ist lediglich – Wachstum; und kein wachsendes Wachstum – das Ende des E-Books ist da natürlich nah!

E-Books: “Reports that physical books are gaining ground at the expense of digital are just plain wrong”

Immerhin The Guardian hat sich der hanebüchen zusammenfabulierten These, es ginge mit E-Books bergab, gewidmet und ist ganz klar zur oben stehenden Feststellung gelangt – “It also ignores the growth in tablet use.” Apple etwa berichtet über eine Million neuer Nutzer pro Woche auf ihrer iBook-Plattform.

Zur Klarstellung: Ich bin selbst großer Freund gedruckter Bücher und finde nach wie vor, dass diese sich etwa als persönliches Geschenk wesentlich besser eignen und natürlich ungebrochen Charme und Berechtigung besitzen!

Nichtsdestoweniger bin ich aber erstaunt, dass angesehene Medien in den leicht falsifizierbaren Kanon einstimmen, der zu meinen glaubt, E-Books hätten bereits den Zenit erreicht. Dass dem nicht so ist, ist eigentlich sonnenklar! Es geht überdies nicht vorrangig um E-Books selbst, sondern um die Digitalisierung der Print-Branche generell. Und das ist wohl der größte Game Changer seit Entwicklung des Buchdrucks.

…und dabei sind wir nicht am Ende angelangt – im Gegenteil, wir stehen am Anfang!

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