Get out of you Comfort Zone! MediaPunk am Poetry Slam

Interdisziplinarität war mir immer ein großes Anliegen. Ich bin der Überzeugung, dass Interdisziplinarität zu einem Mehr an Erkenntnis führt und der Blick über den Tellerrand diese auch besser macht. Vielleicht sind Medien daher so spannend. Eine Schnittmenge aus Kultur, Technologie, Soziologie und Wirtschaft – das kann schon faszinieren. Das Schwierige bei der Interdisziplinarität: Sie zwingt, sich zu überwinden und seine Comfort Zone zu verlassen. Immer wieder auf’s Neue. Ich hab’s kürzlich zweimal zu Stande gebracht. Von einem Mal möchte ich hier kurz erzählen: MediaPunk auf einem Poetry Slam!

Mein Steckenpferd ist das geschriebene Wort. Mit dem kann ich so halbwegs umgehen und tu‘ das auch gerne. Ich kann Dinge weglöschen und hinzufügen, schleifen, hobeln oder in den Papierkorb werfen. Sprache ist das Mittel dazu. Und von dieser bin ich fasziniert, seit dem ich klein bin.

Nun bot sich die Möglichkeit, in meinem kleinen Heimatort an einem Poetry Slam-Workshop teilzunehmen, der von einer quirligen, avantgardistischen, autonomen und außergewöhnlich qualitativen Kulturinitiative organisiert wurde (Kudos, Proberaum Scheibbs!). Geleitet wurde er von der entzückenden und gleichzeitig beeindruckenden Yasmo.

Ich ließ mich, prinzipiell etwas schüchtern und das krasse Gegenteil einer Rampensau, schließlich – wie die anderen Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmer – von Yasmo in den Poetry Slam später am gleichen Abend hineintheatern. Auch ein bisschen willig, zugegeben. Ich allein auf einer Bühne, die Scheinwerfer auf mich gerichtet, ein unausgefeilter Text als Outcome von 30 Minuten in meiner Hand. Na, großartig! Dementsprechend ging‘ die Sache auch aus: Mein Beitrag war irgendwo unter „Ferner liefen…“ zu finden. Völlig zurecht, aber auch ziemlich egal, darum ging’s dann gar nicht so sehr.

Ich wurde mit einem lustvollen Arschtritt in eine Situation gekickt, die sich teils richtig unangenehm anfühlte, aber meinen Horizont erweitert hat und dabei von mir verlangte, mich auf neue Weise mit dem auseinander zu setzen, was mir Freude macht: Sprache und Kommunikation. Und mit mir selbst.

…und weil mein kurzer Text medientheoretische Aspekte aufweist, gibt’s den nun auch noch hier zum Abschluss (Danke für den Hinweis, Gerald! 😉 ) – wenngleich ein Poetry Slam-Text niedergeschrieben natürlich hinkt, weil’s um die Performance geht. Aber gut, ist halt so. Über Feedback freue ich mich natürlich!

 

magritte-pipe
Poetry Slam: Defacebook/Der Verrat der Profilbilder

Apps, Likes, Comments,
Tracker, Selbstoptimierer, Egozentristen.

Ziel ist es, von möglichst vielen geil gefunden zu werden
Je mehr andere mich geil finden, desto geiler finde ich mich selbst
Aber: Das, was ich geil finde, das bin nicht wirklich ich.

Es ist ein Narrativ, ein Image,  ein Profil – ein Bild also.

Der Verrat der Bilder“ – Magritte

„Ceci n’est pas une pipe“
Eine Pfeife im Profil.
Nein. Das Bildnis einer Pfeife im Profil.

„Ceci n’est pas moi“
Ich im Profil.
Nein. Ein Bildnis von mir im Profil.

Das Abgebildete kann nie die Sache selbst sein, sagt Magritte.

Der Verrat der Bilder.
Der Verrat der Selbstbilder.
Der Verrat der Profilbilder.

So kreisen die Gedanken um das eigene Image und die Frage lautet nicht mehr:
Wer bist du, sondern was?

Frei nach Magritte:
Bei einem Blick auf Facebook krieg‘ ich das Gefühl, ich hab ’nen Tinnitus im Auge.
Ich seh‘ nur Pfeifen.

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