SZ-Digitalchef Stefan Plöchinger im Horizont Interview – von MediaPunk.org kommentiert!

Häh, ein kommentiertes Interview?! Ja.
Ich bin heute über das Horizont-Interview mit Stefan Plöchinger, SZ-Digitalchef, gestolpert und habe es mit großem Interesse gelesen. Mit so großem, dass ich es hier kommentiert wiedergeben möchte. Warum auch nicht?

  • Erstens: Es ist mein Blog und da kann ich ohnehin machen, was ich will und
  • Zweitens: Das Interview schneidet fast schon sagenhaft viele Themen an, die sich bereits jetzt auch auf MediaPunk.org finden, sodass es mich wohlig schaudert.

Wie sich schon im ersten Absatz zeigt:

Darum geht es: Soziale Netzwerke (Facebook Instant Articles), Inhalte-Distributoren (Apple News-App), Messenger (Snapchat Discover) und Onlinekioske (Blendle) übernehmen immer mehr Verlagsfunktionen. Suchmaschinen (Google), Shopping-Portale (Amazon) und Dienste wie Twitter und Linkedin dürften eines Tages mit neuen Presse-Angeboten nachziehen. Und immer öfter geht es nicht mehr nur um komplette Ausgaben oder gar Abos, sondern um einzelne Texte, aus denen die Plattformen eigene Angebote zusammenstellen. Die ersten von ihnen beginnen sogar, Journalisten anzuheuern, zunächst nur zum Kuratieren der Zulieferungen, irgendwann vielleicht aber auch zum Erstellen eigener Inhalte. (…)
(Anmerkung: Original-Links durch eigene ersetzt)

…so, you got my attention! Weiter im Text:

Gegenüber HORIZONT Online richtet nun Stefan Plöchinger, Digital-Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, den Blick in die Zukunft.

Tut er nur bedingt, wie er im Verlauf des Interviews selbst sagt – ein kleiner Vorgriff: „Ich beurteile den Markt deshalb lieber aus der Jetzt-Perspektive.“

Stefan Plöchinger, sind diese Plattformen die Verlage der Zukunft? Nein, die Kategorie passt irgendwie nicht richtig. Da sind wir jetzt im Theoretischen, aber Wesenskern des Verlegerischen ist ja immer auch das Publizistische; Distribution, Abrechnung und Marketing konstituieren das nicht allein. Wenn die Konzerne irgendwann wirklich in Massen recherchierende, schreibende, filmende Journalisten einstellen würden, würden wir vielleicht wirklich über Verlegerisches reden; (…)

…und genau das versuchen sie! Die Nutzer füttern die Plattformen mit Content, der zum Großteil zweifellos nicht journalistischem Anspruch genügt, aber einerseits werden nun ja professionelle journalistische Inhalte auf die Plattform geholt und andererseits zunehmend tatsächlich professionelle Redaktionsteams von den Plattformen selbst angestellt.

aber so denke ich bei den Plattformen eher an neue Arten von Kiosken.

Das mag so sein, wird aber nicht so bleiben. Diese Einschätzung wirkt etwas fahrlässig. Die Absicht der Plattformen scheint vielmehr Kiosk- und Verlagsaufgaben in sich zu vereinen.

Welche Verlagsfunktionen können diese Plattformen denn niemals übernehmen? Sag niemals nie. Man hätte ja auch nicht zwingend darauf gewettet, dass Jeff Bezos die „Washington Post“ kauft. Die Annäherung an Amazon-Funktionsweisen läuft inzwischen auch. Wer weiß schon, wie in ein paar Jahren der Markt aussieht? Ich beurteile den Markt deshalb lieber aus der Jetzt-Perspektive.

Mhm, das ist zwar legitim. Dennoch schafft das nicht die Tatsache aus der Welt, dass insbesondere die potenten Plattformen bereits mit Nachdruck an einer Zukunft arbeiten.

Was schützt das Geschäftsmodell der Verlage vor Vereinnahmung durch diese Plattformen? Wenn wir uns diese Plattformen als Kioske vorstellen, ist Vereinnahmung nicht das Problem, vielmehr bietet die Zusammenarbeit größere Chancen. Eine Plattform wie Blendle kann uns bezahlende Leser herantragen, die uns noch nicht kennen. Wenn Facebooks Instant Articles ein Metered Model unterstützen, kann das aus gleichem Grund sehr attraktiv sein. Ich will nicht immer alles als Risiko sehen. Im Gegenteil ist es ratsam, angesichts der Marktmacht und der Nutzerzahlen der Konzerne über Geschäftschancen nachzudenken.

Dass die Zusammenarbeit mit den Plattformen als Chance gesehen werden sollte, ist richtig und nicht zuletzt der bloßen Notwendigkeit geschuldet, dies eigentlich so sehen zu müssen! Dennoch, gute Einstellung! Fortes Fortuna Adiuvat.

Die einzig relevante Frage…

Inwieweit ist es besser für Presse, Land und Leute, wenn Verlage den Job machen – und nicht (nur) solche Plattformen? Für mich ist die einzig relevante Frage, wie der Journalismus im klassischsten Sinne – unabhängig, investigativ, tief und kenntnisreich – den digitalen Medienbruch überleben kann. (…)

Damit trifft Stefan Plöchinger den Nagel auf den Kopf!

Dieser so beschriebene Journalismus wird gerade zu einem Gutteil von Verlagen getragen, und Technikkonzerne liefern bisher vor allem Verbreitung. Wenn man nach Erlöschancen geht, ist nicht dringend zu erwarten, dass Letztere richtig dick ins finanziell nicht einfache Journalistengeschäft einsteigen werden.(…)

Hm, das bezweifle ich. Wie der überwiegende Teil an Services bisher schon, kann ich mir vorstellen, dass auch Journalismus für die Plattformen ein weiteres Mittel zum Zweck darstellt – und letzterer ist das Generieren von Erlösen; ob einem das nun gefällt oder nicht.

Weil eben das Modell „Redaktionen machen die Inhalte, Technikkonzerne streuen sie“ für sie recht attraktiv ist.(…)

Das mag prinzipiell stimmen, jedoch beginnen die Plattformen aktuell damit, eigene Redaktionsteams aufzubauen, die zunächst vor allem Kuratieren sollen.

Kurz, es ist für unsere Gesellschaft vermutlich gut und wichtig, wenn es unsere Redaktionen noch lange gibt.

Das denke ich auch. Es bleibt zu hoffen, dass dem noch lange so ist. Den Herausforderungen wird man sich aber stellen müssen. Diese (meiner Ansicht nach richtige) Einschätzung allein ist kein Garant für den Fortbestand.

Was müssen Verlage heute (mehr als bisher) tun, um ihr Geschäftsmodell möglichst gut und lange zu behaupten? Wir sollten uns überlegen, wie wir die Plattformen für unsere eigenen Interessen gut nutzen können. Google und Facebook sind ja deshalb so groß und mächtig, weil dort viele Nutzer sind; diese Monopolstellung darf man als liberaler Mensch und kritischer Journalist natürlich kritisieren. Aber wirtschaftlich ist es schlau, dort zu sein, wo viele Menschen sind und man viel Geschäft machen kann – sage ich als Chefredakteur einer Abomodell-Nachrichtenseite, der zum Beispiel von kluger Neukundengenerierung auf den genannten Plattformen noch mal richtig profitieren kann und will.

Interview: Roland Pimpl

Absolut d’accord, Stefan Plöchinger – ein kluges Statement!

Das Interview ist hier im Original zu finden.

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