Amazon Payments und Android Pay als Rettung für den Online-Journalismus?

Mit wenigen Ausnahmen funktionieren Paywalls bei Online Medien einfach nicht. Oft probiert, oft gescheitert. Doch was fehlt zum tragfähigen Online-Geschäftsmodell? Amazon Payments und Android Pay eröffnen neue Erlösstrategien.

In Österreich ließ die NZZ-Gruppe unter der Leitung von Michael Fleischhacker kürzlich einen weiteren Paywall-Testballon steigen. Mir wurde zu meinem Vergnügen ein Test-Account zur Verfügung gestellt, mit der Bitte, mich mit einer Einschätzung zu revanchieren. Details zu dieser folgen in Kürze in einem eigenen Beitrag.

Dies sei nur aus einem Grund kurz vorangestellt: die Paywall scheitert an einem kulturellen Problem der Mediennutzung. Die Bereitschaft, für Content, den es anderswo gratis gibt (und das ist das Entscheidende!), zu bezahlen, wird mittelfristig nicht steigen. Anders verhält es sich bei mächtigen Dachangeboten (wie Amazon Prime). Klassische Medien haben hingegen weiterhin damit zu kämpfen.

Conversions? Ganz schwierig. Mittlerweile verabschiedet man sich überdies zusehends von der Illusion der Online-Werbung als zusätzlichem ernstzunehmenden Erlösbringer. Zigtausende Ausspielungen beeindrucken einfach nicht mehr, wenn sie keine Geschäfte verursachen – und das tun sie nachweislich kaum. Nach wie vor hängt also ein erheblicher Teil der Einnahmen am Print-Produkt inklusive der deutlich exklusiveren Print-Anzeigen sowie an Zusatzgeschäften wie Immobilien, Single-Börsen oder Stellenangeboten. Es braucht neue Erlösmodelle, denn die bewährten stagnieren und die anfangs gefeierten haben sich als Seifenblasen erwiesen.

Die Großen Bösen Wölfe NUN als Ausweg?

Oft liest man, dass es die Marktmacht von Unternehmen wie Google oder Amazon ist, die das Ende der Medienhäuser besiegelt. Nun eröffnen sich aber genau damit auch neue Möglichkeiten, deren Potenziale sich recht leicht abtesten lassen sollten:

Ich kann sagen, dass ich noch nie für ein Online-Medium mit Paywall bezahlt habe und dies auch in Zukunft nicht so bald zu tun gedenke. Wenn ich Geld für Medien in die Hand nehme (und das tue ich mit etwa 50 Euro in der Woche), dann für Hintergrund-Geschichten, nicht für News. Und für diese nach wie vor vorrangig in der Print-Version. News krieg‘ ich überall gratis. Bei Hintergrundgeschichten, Glossen oder interessanten Interviews kann ich nicht einfach zum nächsten Medium wechseln – der In- und Gehalt ist nicht beliebig austauschbar.

Aber wo kommen nun Amazon und Google ins Spiel?

Häufig lese ich Spiegel, die Zeit, Falter, Datum oder Profil – dabei geschätzt aber nur 30-50 % der jeweiligen Ausgabe. Ich nehme ohne groß zu überlegen fünf oder zehn Euro in die Hand und nehme mir Zeitschriften vom Kolporteur mit – meist, wenn ich mich vorher online über die Inhalte informiert habe (oder via Facebook-Stream informiert wurde) und danach denke, dass etwas für mich Interessantes dabei ist. Online spielt also bereits eine Rolle in meiner Vorauswahl, ich gebe aber kaum fünf Euro für eine digitale Zeitschrift aus.

Das hat mehrere Gründe:

  • nach wie vor spricht mich die Haptik von Papier mehr an – auch, wenn das ist im Begriff ist, zunehmend irrelevant zu werden
  • es spielt eine gewisse Gewohnheit des Ablaufs mit
  • es ist unkompliziert – no strings attached: ein einfaches Tauschgeschäft ohne große Hürden und dabei doch schon anachronistisch

Mit den neuen Bezahllösungen von Amazon und Google besteht nun die Möglichkeit, mir als Leser einerseits das Leben einfacher zu machen und andererseits als Medium mehr Erlöse zu generieren. Wie? Mit einfachen Micropayments pro Artikel per Mausklick!

Der große Vorteil dieser Lösungen ist: nahezu jeder hat ein Amazon- und/oder Google-Konto! Somit ist keine weitere Registrierung oder ein Log-In notwendig!

Ein Beispiel:
Ich sehe auf Facebook, dass der Spiegel eine ganz interessante Geschichte im nächsten Heft hat, finde den Rest des angekündigten Hefts aber so lala. Das passiert mir häufiger. Für eine Geschichte 4-5 Euro in die Print-Ausgabe zu investieren… Hm, ich weiß nicht. Die muss schon richtig vielversprechend ein.

Wenn ich aber nun die Möglichkeit habe, die für mich spannende Story sofort online mittels eines Klicks auf Button von Amazon Payments direkt unter dem Teasertext zu einem gering anmutenden Betrag zu kaufen, werde ich das wahrscheinlich tun – WENN ich mich dafür nicht umständlich registrieren muss oder Zugangsdaten für das siebte Online-Login von Links wieder herauskramen muss.

1-Klick-Pay-Convenience: Bei Amazon Payments bin ich ohnehin immer eingeloggt

Auf den von mir meistgenützten Devices – Notebook privat und im Office, Tablet, Smartphone – bin ich auf Amazon und Google ohnehin meist eingeloggt. Wenn ich nun die Möglichkeit habe, nach einem spannenden Teaser den Beitrag „Jetzt mit einem Klick für 0,50 EUR weiterlesen!“ – dann würde ich das in den meisten Fällen machen; dazu reicht schon eine halbwegs interessante Story. Des Öfteren werde ich vl. sogar mehr Geld pro Ausgabe direkt an das Medienhaus liefern, als ich dem Kolporteur für die ganze Ausgabe in die Hand gedrückt hätte (wenn ich sie überhaupt gekauft hätte) – und das ganz easy und leichtgängig. Die bisherige Szenario: ich kaufe diese Spiegel-Ausgabe wahrscheinlich nicht. Ich komme nicht zu meiner Geschichte, der Spiegel nicht zu meinem Geld.

Amazon Payments gibt’s übrigens bereits, Android Pay wurde auf der Google-Entwicklerkonferenz angekündigt. Warum noch kein Medium diese Möglichkeit des super-einfachen Einzelverkaufs von Content nutzt, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel…

Android Pay …as easy as buying Sodas:

 

Wie man dies praktisch umsetzen kann? Dazu gerne mehr in einem Gespräch oder Workshop!

Share

No comments

Kommentar verfassen