Das Heisenberg’sche Kommunikationsgesetz für das 21. Jahrhundert

Gerne wird Kommunikation als Soft-Topic belächelt und immer noch als Nice-to-Have angesehen. Das Unterschätzen des Faktors Kommunikation für wirtschaftlichen Erfolg ist fahrlässig. Allein schon deshalb, weil er der absolut einflussreichste Aspekt in der postindustriellen Gesellschaft ist. Wirtschaftlicher Erfolg jedoch muss zuallererst auf den Bedürfnissen der Gesellschaft fußen. Was sehr verkopft klingt, ist ursächlich und wesentlich! Wehe dem, der das Heisenberg’sche Kommunikationsgesetz nicht verstanden hat, wohl dem, der schon.…so wie Jeremy Rifkin, der bereits zu Beginn des aktuellen Jahrtausends wie folgt analysiert hat:

„Der Physiker Werner Heisenberg kam für die wissenschaftliche Forschung zu der Feststellung, ‚dass das, was wir beobachten, nicht die Natur selbst ist, sondern Natur, die unserer Art der Fragestellung ausgesetzt ist. Unsere wissenschaftliche Arbeit in der Physik besteht darin, Fragen über die Natur zu stellen in der Sprache, die wir besitzen.'“

Anhand dieser Herleitung kommt er dank Werner Heisenberg einem entscheidenden Schluss. Ich habe diesen in der Überschrift bereits als das „Heisenberg’sche Kommunikationsgesetz“ tituliert:

„Realität ist damit also eine Funktion der Sprache, die wir zu ihrer Erklärung, Beschreibung und zur Interaktion mit ihr benutzen, oder, um mit Hamlet zu sprechen: ‚Worte, Worte, Worte.'“

Wie bringt man diese schönen Phrasen aber vom Kopf auf die Beine?

„In der postmodernen Welt werden Geschichten und Inszenierungen mindestens genauso wichtig wie Fakten und Zahlen (…) Die neue (postmoderne, Anm.) Ära (…) interessiert sich genauso für die Gesetze der Sprache und für die Semantik wie sich die Moderne für die Gesetze der Physik interessierte.“

‚Die neue Ära‘ wurde spätestens vor etwa 20 Jahren als aktuell identifiziert. Wir befinden uns also längst mitten im Zeitalter der Kommunikation. Wer dies leugnet oder nicht begreift, wird verlieren.

„Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der ‚Wahrheit‘ interessiert die Wissenschaftler immer weniger, es geht ihnen um die individuelle und kollektive Suche nach Bedeutung.“

Vielleicht bin ich nicht der einzige, der bei dieser Passage etwa an die Diskussion um die von Sebastian Kurz beauftrage Studie zu Islamkindergären in Wien denkt. Die mag zwar wenig „Wahrheit“ beinhalten, sollte hingegen von vorne herein „Bedeutung“ konstruieren. Das muss man nicht gut finden (und im konkreten Fall sollte man es meiner Ansicht auch nicht). Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass auf diese Art kommunikativ jene Realitäten konstruiert werden, in denen wir uns wiederfinden.

„Die Sprache ist der Schlüssel zur Erklärung von Bedeutungen, weil sie das Mittel ist, mit dem wir unsere Gedanken und Gefühle anderen mitteilen. Sprache, so der Psychologe William Bergquist, ist ’selbst die wichtigste Realität in unserem täglichen Erleben.'“

…und die Veränderung der Kommunikationstechniken und -weisen führten in der Geschichte bisher stets zu gravierenden Veränderungen im menschlichen Bewusstsein und den gesellschaftlichen Strukturen. Woran sich das bisher zeigte, das lege ich kurz in einem separaten Beitrag dar. Welche das zukünftig sein werden, ist hingegen das Wesentliche. Klar ist: Das natürliche Kommunikationsgesetz transformiert sich. Doch es gibt Abhilfe und Unterstützung!

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